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Ich lese oder höre relativ häufig, die Aussage: “Warum habe ausgerechnet ich ein High Need Kind …?”

Sitzstreik

Da muss man mal mittendrin Pause machen

Ja, warum hast du eigentlich ein High Need Kind? Und vor allem WARUM ist es so? Weshalb haben die einen ein Anfängerbaby wie es im Buche steht und andere wiederum haben ein High Need Baby was alle 12 Kriterien erfüllt und kurz davor ist, ein 13tes Kriterium zu erfinden?

Ich kann es dir nicht sagen, denn…

eigentlich weißt nur du, warum du mit einem High Need Kind gesegnet bist.

Um dir das zu erklären, verrate ich dir, warum ich ein High Need Kind habe. Dazu müsst ihr jedoch erst einmal wissen was für ein Mensch ich vor der Schwangerschaft gewesen bin.

Workaholic

Vor meiner Tochter habe ich, wie die meisten, einen Vollzeitjob gehabt. Ich war in einem kleinen Familienunternehmen für die Buchhaltung und das Personal zuständig. Ich war die Einzige im Büro und so kamen eigentlich immer stetig Aufgaben dazu, irgendwer musste es ja machen. Ich war der Meinung, dass es wichtig ist viel Geld zu verdienen und das es normal ist, dass man sich dafür wirklich fast immer ein Bein ausreißen muss- denn von nichts kommt nichts. Dies hatte zu Folge, dass ich zwar immer Geld zu Verfügung hatte, aber mittlerweile 24/7 für die Firma erreichbar war und gerade einmal den Mindestanspruch an Urlaub von 20 Tagen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war es mir eigentlich gar nicht richtig bewusst, ich hatte kein Partner und an Kinder dachte ich da auch noch nicht. Ich habe teilweise sogar Urlaub mit ins neue Jahr genommen… Selbst in meinem Urlaub dachte ich daran, was an Arbeit noch zu erledigen ist, der Erholungseffekt war also gleich null. Ich war einfach der Meinung, es muss so sein, man muss genauso leben. Tagtäglich von 08:00 – 16/17:00 Uhr arbeiten…

Das Hamsterrad lässt grüßen!

Oberflächlich

Mir waren ganz banale Dinge wichtig. Ich trug eigentlich nur Kleidung von Esprit, Hollister, Tommy Hilfiger oder Ralph Lauren. Handtaschen mussten von Michael Kors sein und natürlich musste es auch immer das Neuste Samsung Handy sein. Ich hatte Klamotten im Überfluss. Mindestens 5 Blusen und Hemden in ein und derselben Farbe, die sich lediglich nur durch zarte Nadelstreifen oder Punkten unterschieden. In meiner Freizeit habe ich am liebsten eingekauft. Jeder der kein Job hatte war für mich pauschal faul und lag dem Staat und mir, dem Steuerzahler, auf der Tasche. Mütter sollten meiner Meinung nach schnell wieder arbeiten, Krippen waren ja nicht umsonst gebaut worden.

Ich habe mit ziemlich viel Disziplin im Jahr 2012 fast 25 kg abgenommen und konnte mein Gewicht auch bis vor der Schwangerschaft gut halten. Ich hatte Kleidergröße 34 und war fixiert auf mein Gewicht. Es war mir wichtig schlank zu sein. Nur dann empfand ich mich als schön.

Ich hatte keine schöne Persönlichkeit

Pitbull

Sobald Freunde oder Familienmitglieder ärger mit Institutionen hatten oder unrechtmäßige Mahnungen oder andere Probleme hatten, die sie nicht lösen konnten, kamen sie gerne zu mir. Ich hatte eine (sehr oft sehr unfreundliche) Art diese Dinge zu lösen. Ich habe zum Beispiel einmal eine Forderung des Jobcenters, gegen einen Bekannten, so in Grund und Boden argumentiert, dass diese ohne weiteres zurück genommen wurde. Und ich war wirklich nicht nett. Mein Freund sagt heute noch gerne:

lass den Pitbull raus!

wenn etwas nicht nach Wunsch verläuft. 🙂

Keine Träume

Ich habe Jahrelang nur gearbeitet und keine Ziele mehr gehabt. Klar hatte ich ein sorgefreies Leben- was das Finanzielle anbelangt. Jedoch habe ich oftmals sehr unter den Arbeitsbedingungen und dem Arbeitsklima gelitten, ließ es mir aber nicht immer anmerken. Beruflich, konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiter aufsteigen. An so einem Punkt sollte man eigentlich “angekommen” sein, aber das war ich nicht. Ich versuchte nochmal ein Fernstudium in Wirtschaftsrecht, passte zu dem von mir erwählten Beruf. Ich hielt es einige Monate durch, aber bei Gott… es war so trocken und langweilig. Unendlich langweilig, genauso langweilig wie meine Ausbildung und mein erstes Studium.

Es fiel mir nicht leicht, dass so zu schreiben, denn ich kann diese alte Persönlichkeit von mir überhaupt nicht leiden.

Und dann kam Lotta

ziegenfreundin

Ziegenliebe

Mit der Geburt meiner Tochter hat sich so ziemlich alles geändert. Habe ich noch kurz vor der Geburt gedacht, ich würde nach einem Jahr wieder Vollzeit arbeiten, war das mit der Geburt undenkbar geworden. Und genau das war gut so. Lotta hat mein Leben geändert. Dieses kleine Mädchen, welches Oktopusse und Ziegen liebt, welches in einem Fingerabdruck Schnecken erkennt, welches einen Gerechtigkeitssinn hat, der mich immer wieder staunen lässt, welches so Wissbegierig ist und mutig. So unglaublich mutig. Und diesen Mut an mich weiter gibt. Ich bin ihr unendlich dankbar für alles und ich glaube sie ist froh, dass ich nicht all zu lange gebraucht habe um zu erkennen was sie mir sagen will, denn es ist seitdem so viel besser geworden. Das Schlafen, das selbst Beschäftigen, der ganze Alltag einfach. Ich habe natürlich keine Beweise dafür, dass es so ist, aber ich bin einfach offener geworden, empfänglicher und sensibler für zwischenmenschliche Kommunikation und manchmal muss man sich auf etwas einlassen, damit es wirken kann.

Alle Kinder ändern das Leben ihrer Eltern…

das ist natürlich richtig, aber worauf ich hinaus will ist etwas anderes. Lotta hat mir mit jedem Tag gezeigt, welcher Mensch ich sein will. Und ja, es ist wirklich ein gutes Ziel ein glücklicher Mensch zu sein. Es ist erstrebenswert. Aber wir sind die Generation, die eigentlich nicht mehr weiß wie es geht glücklich zu sein. Weil wir es nicht kennen gelernt haben. Und jeden Tag mit Lotta zusammen beinhaltet Glück. Natürlich gibt es bei uns auch mal Tage an denen das Glück vielleicht etwas klein ist, aber jeder Tag hat etwas Gutes, zeigt mir etwas neues. Etwas was ich verlernt hatte oder noch gar nicht kannte.

Ein großer Teil…

macht bei mir die berufliche Situation aus. Mein Arbeitsverhältnis ist bald beendet und somit endet eine große Belastung für mich. Ich kann endlich los lassen und neue Wege gehen. Ich habe durch Lotta meine Interessen wieder gefunden. Ich wollte eigentlich schon immer Erzieherin werden, aber ich bin diesen Weg nie gegangen. Ich weiß absolut nicht wieso. Ich war in meinem Dorf der am meisten gebuchte Babysitter, ich habe fast alle Schulpraktika im Kindergarten gemacht. Aber ich hatte diesen Traum vergessen und bin andere Wege gegangen. Das was ich nun innerhalb eines Jahres geschafft habe ist beachtlich und ich kann und darf stolz auf mich sein.

Das sind alles Dinge, die ich ohne Lotta wahrscheinlich nicht kennen gelernt hätte, allen voran die bedürfnisorientiere “Erziehung”. Ich habe mich bisher immer für Fortbildungen entschieden, die nur wenige Tage oder Wochen dauerten, weil ich der Meinung war, ich bin zu alt (31 Jahre) für einen weiteren Bildungsweg. Aber wie immer wurde ich bestärkt durch meine Tochter und auch durch meinen Freund, der mir all das ermöglicht, in dem er einfach hingebungsvoll auf unsere Tochter aufpasst, wenn ich mal wieder egoistisch sein darf und außer Haus bin.

Staatlich anerkannte Kindheitspädagogin…

heute kam die Zusage für meinen Traum. Ich werde nochmal studieren. Und zwar Kindheitspädagogik. Und genau das ist der Grund warum ich ein High Need Kind habe. Mein High Need Kind hat mich gelehrt einfühlsam zu sein, empathisch zu sein, geduldig zu sein, die Augen zu öffnen, Werte zu erkennen, stressresistent zu sein, behutsam zu sein, zu hinterfragen, die Welt zu sehen, das Wesentliche zu erkennen, mutig zu sein, in mich hinein zu hören, den Menschen zu sehen.

All das hat mich meine noch nicht einmal 2 Jährige Tochter gelehrt, weil sie wusste das mein beruflicher Weg noch nicht zu ende gewesen ist.

Eure Kinder

lehren euch genau dieselben Dinge. Ihr erlernt wahre und wichtige Fähigkeiten für euren weiteren Lebensweg. Fähigkeiten, die euch vielleicht schon bei der Lösung des einen oder anderen Problems geholfen hat. Fähigkeiten die niemand in der Schule lernen kann, Fähigkeiten, die noch nicht einmal die bestbezahltesten Top Manager haben. Fähigkeiten die euch ermutigen sollen über eure Grenzen zu gehen. Ihr seid alle so unendlich stark geworden. Und werdet mit jedem Tag stärker. Auch wenn es euch manchmal nicht so vor kommt, wenn der Tag und gerade die Nacht einfach nur nervenaufreibend gewesen ist. Und ihr das Gefühl habt, als würde es niemals besser werden und ihr am liebsten schreiend ausziehen wollt, dann ist es keine Schande auch einmal seinen Ärger, Unzufriedenheit oder Unmut freien Lauf zu lassen. Genau das macht euch aus. Ihr könnt stolz sein und das könnt ihr auch zeigen.

Jeder Tag, egal wie mies er ist, hat auch etwas Gutes. Das müsst ihr erkennen und daraus könnt ihr die Kraft für den nächsten Tag nehmen. Verliert euch in dem Lächeln eures Kindes, denn sein Lächeln gilt nur euch.

Und nun kannst du mir sagen warum du ein High Need Kind hast?

 

 

 

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