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Ich habe einige Zeit überlegt ob ich mich zu einem kürzlich erschienen Artikel äußern sollte und ja, ich habe dazu nur eins zu sagen… Leider gibt es kein Qualitätssiegel beim Bloggen, es kann einfach jeder tun und es macht auch jeder.

So … das wars von mir zu diesem fraglichen Artikel. Statt darüber zu diskutieren möchte ich euch einfach mit Wissen und Fakten einen Vergleich zu High Need und ADHS schreiben.

Woher kommt High Need eigentlich?

Der amerikanische Kinderarzt Dr. William Sears hat mit seiner Frau Martha (Kinderkrankenschwester und Stillberaterin) die Erziehungsphilosophie “bedürfnisorientiertes Erziehen” geprägt. Die beiden haben 8 Kinder, eigene sowie adoptierte.

Sears gab zu, dass er vor seinem ersten eigenen High Need Kind, manche Eltern, die zu ihm in die Praxis kamen, als überfordert und überempfindlich ansah. Natürlich haben alle Kinder und gerade Säuglinge hohe Bedürfnisse. Ganz klar, dass steht außer Frage und diese Bedürfnisse sollten erkannt und befriedigt werden.

Nachdem seine (erste) High Need Tochter (mir ist leider nicht bekannt ob es sich um ein eigenes oder ein adoptiertes Kind handelt. Ich empfinde es jedoch als unwichtig.) zur Welt kam, begann er zu verstehen und schrieb, in Zusammenarbeit mit anderen betroffenen Eltern, einige Kriterien nieder.

Sears sagt ganz klar, dass es sich nicht um eine Krankheit handelt. Es ist die Persönlichkeit dieser Kinder. Eine fordernde und starke Persönlichkeit. Ziel dieser Kriterien war und ist nicht, diese Persönlichkeit klein zu halten oder gar umzuwandeln. Diese Kriterien sollen helfen, zu erkennen was und wovon unsere Kinder mehr benötigen und wie wir den Alltag gestalten können, um unseren Kindern genau das geben zu können was sie (vermehrt) benötigen.

Und was ist mit ADHS?

Ich habe nach langer Recherche etwas in einem Forum von ADHS Betroffenen gefunden:

493 v.Ch. Hippokratesschreibt: „Schnelle Reaktion auf Sinneseindrücke, aber jedoch nur wenig Durchhaltevermögen, da sich die Seele rasch zum nächsten Eindruck bewegt “Ein Ungleichgewicht von Feuer über Wasser” Behandlungsempfehlung: „Gersten- statt Weizenbrot, Fisch statt Fleisch, viel Wasser und viel natürliche und abwechslungsreiche Bewegung.“

Demnach gibt es Beschreibungen über eine starke ausgeprägte Persönlichkeit bereits seit Jarhunderten.

Ich empfinde diese Beschreibung sogar ein wenig poetisch, es liest sich für mich nicht negativ.

ADHS – wer hats erfunden? Gute Frage, leider finde ich keine eindeutigen Quellen dazu. Ich finde es jedoch etwas spannender darauf einzugehen, wann die Gesellschaft beschlossen hat, dass quirlige, lebhafte Kinder nicht der Norm entsprechen.

Ich will damit nicht sagen, dass es diese Krankheit nicht gibt, aber für mich gehört mehr dazu, als ein paar Kriterien, die nicht mit der heutigen Gesellschaft konform gehen.

Und was ist jetzt der Unterschied?

High Need Merkmale:

  1. Intensiv
  2. Hyperaktiv (meint geistige und körperliche Aktivität)
  3. Anstrengend
  4. Oft Stillen
  5. Fordernd
  6. Wacht oft auf
  7. Unzufrieden
  8. Unberechenbar
  9. (Hoch)Sensibel
  10. Lässt sich nicht ablegen
  11. Kann sich nicht selbst beruhigen
  12. Trennungen fallen schwer

(einige) ADHS Symptome nach dem DSM- IV:

  1. hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten
  2. beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten
  3. vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengungen erfordern, wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben
  4. lässt sich öfter durch äußere Reize leicht ablenken
  5. zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum
  6. hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen
  7. ist häufig „auf Achse“ oder handelt oftmals, als wäre er/sie „getrieben“,
  8. platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist

Also ein kleines Schmunzeln kann ich mir bei den Kriterien nicht verkneifen. (Alle Kriterien habe ich euch verlinkt) Ich möchte nicht sagen, dass einigen diese “Symptome” Schwierigkeiten im Alltag in der Schule oder in der Arbeit keine Probleme bereiten können… aber es fällt mir schwer zu glauben, dass diese Symptome eine Krankheit definieren sollen.

Wikipedia sagt ganz deutlich das ADHS nicht sofort eine Krankheit darstellt, es müssen mehrere Kriterien erfüllt sein um hier eine klare Diagnose zu stellen. Demnach ist ADHS bis zur sichergestellten Diagnose auch nur ein Begriff- der eigentlich gar nichts aussagt.

Diesen Symptomen liegt nach heutigem Stand eine neurobiologische Entwicklungsverzögerung der exekutiven Funktionen zugrunde. ADHS kann dabei auch als ein Extremverhalten aufgefasst werden, das einen fließenden Übergang zur Normalität zeigt.[1] Es handelt sich darum nur um eine quantitative, aber keine qualitative Abweichung. Daher müssen die Auffälligkeiten für das Alter übermäßig stark ausgeprägt und seit der Kindheit vorhanden sein. Symptome alleine haben jedoch keinen Krankheitswert: Eine Diagnose ist erst gerechtfertigt, wenn sie zusätzlich mehrere Lebensbereiche deutlich beeinträchtigen oder zu erkennbarem Leiden führen.

Der Schlüsselsatz ist hier: “… zu erkennbarem Leiden führen.” Leid, was die betroffene Person/das Kind durch macht, nicht was wir als Eltern, Lehrer, oder das Umfeld als Leid/Anstrengung auffassen, weil man mit dem extrem lebhaften Kind zusammen ist.

High Need Kriterien, wirklich nur auf Säuglinge zutreffend?

Das kann ich ganz klar mit Nein beantworten. Und auch Dr. Sears hat eine ganz klare Meinung und Ergebnisse, der Kriterien bis ins Teenager/frühe Erwachsenenalter aufgelistet. (Dazu wird es noch einen gesonderten Artikel geben)

Einige der Merkmale verlieren sich vielleicht im Kleinkindalter oder schwächen ab. Einige wandeln sich zu Stärken. Es wird einfacher, sobald sich unsere Kinder frei fortbewegen können, sich endlich ausdrücken können und gezielt zeigen und sagen können was sie wollen.

Genauso gut können sich aber andere Merkmale auch verstärken. High Need Kinder sind oft willensstark und empathisch.

Ich bin sogar versucht zu sagen, dass diese beiden Bezeichnungen eines gemeinsam haben und zwar die Bezeichnung “Extremverhalten”.

Was ist denn nun der Unterschied zwischen High Need und ADHS?

Der Unterschied liegt ganz klar in der Behandlung.

Dieses, für beide “Bezeichnungen” beschriebene, Extremverhalten. Auf der einen Seite haben wir eine anerkannte Krankheit, die im übrigen nur von einem Spezialisten diagnostiziert werden sollte und unter extremen Umständen medikamentös behandelt wird.

Die Diagnose entsteht auch nicht von heute auf morgen, sondern hat ganz klare Vorgehensweisen und muss über einen langen Zeitraum erfolgen.

Und auf der anderen Seite haben wir lediglich einen passenderen “Begriff” für das Wort “Extremverhalten”.

Und was ist schlimm daran, dass sich unsere Kinder in einigen Punkten extremer verhalten als andere Kinder? Was ist hier Normal oder Unnormal? Welches Kind hält es aus 2 Stunden still auf einem Stuhl zu sitzen und keinen Ton zu sagen, während Erwachsene sich unterhalten? Es liegt einfach nicht in der neugierigen Natur von Kindern.

Investigativ-Journalist Alan Schwarz hat vor Kurzem sogar ein komplettes Buch — ADHD Nation“ — darüber geschrieben, dass ADHS wegen unbegründeter Diagnosen zu einer Epidemie geworden sei.

„Viele Kinder haben Probleme und brauchen Hilfe — aber diese Probleme stammen in vielen Fällen von Traumata, Angststörungen, familiären Problemen, Schlafstörungen, schlechter Ernährung, Mobbing und noch mehr. Wir dürfen sie nicht aufgeben. Wir müssen helfen. Aber wir müssen auch sorgfältiger darin werden, wie wir das tun, anstatt ihnen einfach reflexartig die Diagnose zu geben, die im Allgemeinen als ernsthafte, lebenslange Hirnleistungsstörung beschrieben wird.“

ADHS Diagnosen AOK

Wisschenschaftliches Institut der AOK

Verlasst euch bitte nur auf Experten für ADHS

Rüdiger Stier, Chefarzt der Helios-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Berlin, mahnte gegenüber der „Welt“ zu mehr Vorsicht im Umgang mit der Diagnose:

„Häufig kommen Kinder zu uns mit der Diagnose ADHS vom Kinderarzt, und im Laufe unserer Untersuchungen bestätigt sich die Diagnose nicht.“Ein wichtiger Punkt. Psychische Erkrankungen jeder Art bedürfen einer fundierten Diagnose durch dafür ausgebildete Fachleute, also Psychiater oder Psychologen. Kinderärzte ohne eine entsprechende Spezialisierung können diese Diagnose nicht verlässlich stellen und höchstens eine Vermutung äußern, die dann von Experten überprüft werden muss

Fazit!

Ihr seht, es ist ein extremes Thema, ADHS ist ein Spektrum für sich, mit unterschiedlichen Säulen. Ja es ist anerkannt, aber nicht alle Arten sind mit Medikamenten behandlungsbedürftig.

Die Frage ist leider auch, ob die “einfachen” Formen von ADHS überhaupt als solche benannt werden sollten. Kinder sind nunmal manchmal laut, unkonzentriert und sprunghaft. Ja auch hyperaktiv, zappeln rum, singen, tanzen und springen. Das ist doch normal? Oder nicht?

Wenn man das als Krankheit ansieht, dann frage ich mich ob die Gesellschaft kleine Soldaten, die ständig parieren, als erstrebenswert ansieht.

In diesem Punkt ist mir die Bezeichnung High Need, 24 Stundenbaby oder Steinzeitbaby einfach lieber. Es ist kein Stigmata, es ist die Persönlichkeit meines Kindes und wie sie letztendlich bezeichnet wird ist doch ganz egal. Ich liebe mein Kind, so wie es ist. Auch mit fordernden Bedürfnissen, die mich manchmal ungemein viel Energie kosten, mich aber immer wieder dazu bewegen die Welt mit den Augen meines Kindes zu sehen und somit auch regelmäßig für AHA Erlebnisse sorgt.

Ich danke meinem Kind dafür, dass es so ist wie es ist, mit all seinen Facetten. Egal ob anstrengend, oder herzallerliebst.

Zum Abschluss möchte ich euch noch ein Video vom Neurobilogen und Hirnforscher Professor Gerald Hüther nahe legen. Prof. Hüther ist ebenfalls Autor von dem großartigen Buch: Jedes Kind ist Hochbegabt.

 

 

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