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Die Thematik rund um das Schlafverhalten unserer Kleinen reißt einfach nicht ab. Verständlich, gerade wir High Need Eltern, bräuchten Nachts einfach echt Erholung um für den Tag gewappnet zu sein. Dennoch gibt es kein Wundermittel und Schlafprogramme sollten meiner Meinung nach verboten werden, denn Schreien lassen ist keine Option.

Es existieren bestimmt hunderte Artikel über das Schlafen und das Schlafverhalten von Babys und Kleinkindern. Ich möchte meinen Senf auch nochmal dazu geben. Und mit einer wichtigen Information über die Hirnreife anfangen.

Wann ist die Hirnreife vorhanden?

Mittlerweile wissen wir, dass das Schlafverhalten- insbesondere das Durchschlafen- mit der Hirnreife zu tun hat. Aber wann erlangen Kinder denn nun eigentlich die Hirnreife? Fakt ist, dass unsere Kinder im Schlaf unheimlich viel verarbeiten, das Gehirn arbeitet auf Hochtouren. Es entstehen neuronale Strukturen, die Nervenzellen werden durch Synapsen miteinander verknüpft. Dadurch werden die wichtigsten Gehirnfunktionen angelegt. In den unterschiedlichen Schlafphasen vertiefen und wiederholen unsere Kinder neu erlerntes, wie Bewegungen, Wörter und Fakten.

Der Schlafmediziner Prof. Dr. Ekkehart Paditz von der Universitätsklinik Dresden hat dazu folgendes erklärt:

“Das Hirn verknüpft Lerninhalte und Sinneseindrücke mit früheren Erfahrungen und transportiert Informationen vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Gelerntes verfestigt sich – das Kind wird sozusagen im Schlaf klüger.”

Wir Europäer sind im übrigen, die einzigen, die davon ausgehen, dass Kinder ungefähr ab dem 6. Monat durchschlafen können müssen. Das ist absurd. Sicherlich gibt es Kinder die das können. Das in so jungen Jahren die Hirnreife jedoch schon erlangt ist, ist unwahrscheinlich. Die zum Durchschlafen benötigte Hirnreife wird erst zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr erreicht.

(Im übrigen die Zeit, die uns unsere Kinder am meisten brauchen. 3-4 Jahre… das ist unglaublich wenig wenn man es auf das ganze Leben betrachtet)

Warum schlafen denn andere Kinder durch?

Ich kann es euch nicht sagen. Ich weiß es nicht. Hier trifft nunmal zu, das jedes Kind anders ist und wir das endlich akzeptieren sollten. Wir sollten endlich aufhören zu vergleichen und uns zu fragen, warum andere Kinder das mit 3 Tagen, 3 Wochen oder 3 Monaten schon können. Das ist als würde ich mich fragen warum Lady Gaga singen kann, ich mich aber anhöre wie eine gequälte Katze. Vielleicht gibt es ja sowas wie ein Schlaftalent? ich kann euch versprechen, dass alle Kinder dieses Talent in der Teenagerphase für sich entdecken.

Mir wurde mal folgender “fraglicher” Tipp gegeben.

“Abstillen und Flasche füttern. Ein bisschen mehr Pulver rein machen, damit es schön dickflüssig ist, dann ist dein Kind so satt, dass es garantiert durchschläft.”

Ich bin nach wie vor geschockt von dieser Aussage und habe es natürlich nicht umgesetzt. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass einige so handeln, weil sie einfach nicht mehr weiter wissen. Auch das ist nachvollziehbar, aber so funktioniert das nicht. Wieso etwas erwarten, was die meisten schlichtweg nicht können? Wann haben wir aufgehört unseren Kindern die nötige Zeit zu geben?

Ich erinnere mich gerade an die ersten 2 Wochen mit meiner Tochter zu hause. Ich habe mich jeden Abend gefragt ob sie wohl heute zum ersten mal durchschlafen würde. Ich war regelrecht aufgeregt ob es die kommende Nacht besser wird. … Nachdem dann einige Monate vergangen waren, war ich nicht mehr aufgeregt. ^^

Letztendlich hat es 14 Monate gedauert, bis ich mich raus schleichen konnte und sie nicht nach 20 Minuten wieder aufgewacht ist.

Warum wachen unsere Kinder so schnell wieder auf?

Unsere Kinder haben Trennungsangst. Diese ist nachts besonders ausgeprägt. Gerade bei High Need Kindern reicht es vielleicht manchmal sogar nicht, nur daneben zu liegen. EInige schlafen am liebsten auf uns, um sicher zu stellen, dass wir nicht gehen (können). Unsere Kinder müssen auch hier Vertrauen lernen. Sie müssen Vertrauen, dass wir sie nicht verlassen. Sie wachen also auch auf um sich zu versichern das wir nicht gegangen sind. Es macht auch Sinn, denn schlafend sind unsere Kinder früher eine leichte Beute gewesen. Und wo sind sie sicherer als bei Mama? Daher ist es doch naheliegend, dass sie es spüren müssen, wenn wir uns raus schleichen. Es ist von der Natur so vorgesehen. Ebenfalls ist es so vorgesehen, dass sich das Schlafverhalten von Mutter und Kind anpassen, wenn beide nahe beieinander schlafen. Das ist sogar wissenschaftlich erwiesen.

Babyschlaf

Lotta schlief sehr lange nur auf mir.

“Babys schlafen nur, wenn sie sich sicher und geborgen fühlen!”

Dieser Satz hat mir oft geholfen. Es hat mich stolz gemacht, dass mein Baby nur “richtig” schlafen konnte, wenn es meine Nähe gespürt hat.

Ein anderes Schlafverhalten

Abgesehen davon, haben High Need Kinder ein anderes Schlafverhalten. Das gleiche ruhelose Temperament, was sie an den Tag legen und die hohe Bedürftigkeit verursacht, führt zur einer Nachtzeitlosigkeit. Also keine Gefühl für die Nacht. Ihr scharfes Bewusstsein und ihre Neugier auf ihre Umwelt ist in ihnen Tag und Nacht präsent.

Dr. William Sears hat dazu mal folgende Gedanken nieder geschrieben:

“Stellt euch vor, dass in jedem Kind, mit Beginn eines neuen Tages, ein helles Licht scheint und mit jeder fortgeschrittenen Stunde wird es schwächer und erlischt wenn es schläft. Bei High Need Kindern brennt dieses Licht konstant. Es wird nicht schwächer. High Need Kinder sind also auch nachts, geblendet vom Tag.” 

Wir haben uns bestimmt schon alle mal gewundert warum es einige Babys und Kleinkinder gibt, die schlafen können, wenn gefühlt ein ICE an ihrem Bettchen vorbei rast, während unsere Kleinen trotzdem aufwachen, obwohl wir lautlos wie Ninjas sind. Das liegt daran, dass Babys und Kinder unterschiedliche Stimmulationsbarrieren haben. Es gibt einfach Kinder, die können sich im Schlaf fallen lassen und jegliche Reize ausklammern. High Need Kinder dagegen reagieren oftmals mit dem Gegenteil und drehen nochmal richtig auf. Sie verlassen sich nicht darauf, dass der Schlaf ihnen hilft all das zu verarbeiten. Sie benötigen unsere Hilfe um sich fallen zu lassen und die Reize auszublenden.

Eine Mutter, die bei mir Rat suchte, sagte mir folgendes:

“Ich habe endlich erkannt, dass das Schlafverhalten meines Babys keine Schlafprobleme sind. Es ist das Problem der Gesellschaft, die erwartet, dass ein 6 Monate altes Kind (alleine) durchschläft.”

Zeitungstext

Erwartungen!

Akzeptieren!

Ich weiß es ist nicht einfach. Aber keiner von uns wird an Übermüdung sterben. Unser Körper und auch unser Bewusstsein sind auf unsere Kinder abgestimmt. Nehmt nur einmal den Mutterinstinkt. Vertrauen wir darauf, dass unsere Kinder uns schlafen lassen um uns die NÖTIGE Erholung zu geben und uns auch wirklich nur “wecken” wenn es nötig ist. Wir Mütter sind echte Superheldinnen, vertrauen wir auf unsere Kräfte. Fangen wir wieder an unseren Kindern Zeit zu geben. Die Zeit die sie benötigen. Die Zeit, die ihr kleines Gehirn benötigt um zu wachsen.

Akzeptieren wir das unsere Kinder alle 30 Minuten oder jede Stunde nach unserer Nähe verlangen. Sehen wir es positiv, dass sie uns so sehr lieben, dass sie nicht ohne uns sein wollen und können. Und vor allem realisieren wir, dass diese so intensive Zeit, in der sie uns brauchen, unheimlich schnell vorbei ist. In einer Zeit, in der wir noch schnell die eine E-Mail an den Chef schreiben müssen, oder den Abwasch erledigen müssen, oder noch schnell die Steuererklärung machen müssen … Nutzen wir den Abend um uns an unsere Kinder zu kuscheln.

Als ich vor kurzem Lotta in den Schlaf begleitet habe und mich raus schleichen wollte, habe ich ihr nochmal den Kopf geküsst und überraschend fest gestellt wie gut meine kleine Tochter duftet. Ich hielt kurz inne und habe mich gefragt, wann ich das zum letzten mal wahr genommen habe. Ich wusste es nicht. Es viel mir nicht ein. Ich habe mich dann wieder an sie gekuschelt und ihren Geruch eingeatmet. Ganz bewusst und versucht auszumachen, wonach sie riecht.

Wir sind den ganzen Tag in Action mit unseren Kindern, aber solche Momente tanken unsere Akkus auch wieder auf. Wenn wir akzeptieren wie es ist, dann erlangen wir ganz von selbst die nötige Energie die wir brauchen um auch mit wenig Schlaf auszukommen.

Ja aber ich komme zu nichts!

Und mein Partner hat auch nichts mehr von mir… Ja so ist es manchmal. Ein erwachsener Mensch sollte verstehen können, dass es solche Situationen gibt und diese auch mal über einen längeren Zeitraum andauern können. Hier ist es unerlässlich zu kommunizieren. Sprecht miteinander. Es ist jetzt gerade schwierig, aber das Leben ist doch noch nicht vorbei, es wird auch wieder die Zeit kommen wo genügend Zeit zu zweit vorhanden sein wird und bis diese gekommen ist, kann man sich ja schonmal ausmalen, was man alles zusammen machen möchte.

Versucht es mal… was wollt ihr zusammen unternehmen, wenn mal wieder Zeit zu zweit ist? Worauf freut ihr euch am meisten?

Nadine

 

 

 

 

 

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