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Mein Kind kann sich nicht alleine beschäftigen… Ich kann noch nicht mal kurz auf die Toilette gehen… Sobald mein Kind mich nicht mehr sieht, brüllt es, als würde es abgeschlachtet werden …

Diese Situationen kennen wir alle. Der eine mehr und der andere weniger Intensiv.

Tränen

Tränen bei jedem “Abschied”
Quelle: Pixabay

Keine Unabhängigkeit ohne abhängig zu sein

Kinder werden mit der Zeit und mit fortschreitendem Alter ganz von selbst immer unabhängiger. Jedoch können wir den Prozess sanft unterstützen und ihnen helfen, sich von uns zu lösen ohne sich „abgeschoben oder ungewollt“ zu fühlen. Die neu gewonnene Unabhängigkeit hilft ihnen, etwas über ihre Umwelt und vor allem aber viel über sich selbst zu erfahren. Und ganz nebenbei, hat Mama dann wieder ein bisschen Zeit für sich selbst.

Aber auch wir als Eltern, müssen erst einmal lernen, Distanz zu unserem Kind zu schaffen. Jedoch erst, wenn die Zeit dafür Reif ist.

Die Verbindung über eine Distanz aufrecht erhalten.

Wir müssen unserem Kind genügend Spielraum geben um ein selbstständiges Kleinkind zu werden, ohne dabei die Verbindung zueinander zu verlieren. Die Kunst ist es, hier ein Gleichgewicht zu finden.

Kurzes Beispiel: Ich lasse Lotta mit 2 Jahren, niemals draußen, ohne meine Aufsicht, alleine spielen. Jedoch gestehe ich ihr einen gewissen Radius zu, in dem sie sich alleine frei bewegen kann. Sie muss nicht an meinem Rockzipfel hängen.

Während des 2ten Lebensjahres haben wir oftmals das Gefühl, auf einem schmalen Grat zu wandern. Eine Gratwanderung zwischen zu restriktiv und fahrlässig zu sein. Der restriktive Weg birgt das Risiko, dass Kind in seiner Entwicklung einzuschränken und zu behindern. Der fahrlässige Weg birgt das Risiko, dass sich das Kind selbst oder andere verletzt oder auch eigenes und fremdes Eigentum beschädigt.

Wie also verhelfen wir unseren Kindern zu mehr Unabhängigkeit?

Spiele außerhalb des Sichtfeldes spielen

Ab dem 6. Lebensmonat kannst du damit beginnen „verstecken“ mit deinem Baby zu spielen. Damit meine ich nicht, dass dein Baby bis 10 zählen soll und du versteckst dich … 🙂 (Zugegeben, so hättest du auch eine Auszeit- denn es könnte durchaus dauern bis dein Baby dich findet…) Nein, spiele das klassische „Peek a boo“ mit deinem Baby. Halte dir die Hände vors Gesicht und zeige dich dann wieder. Oder verschwinde kurz aus dem Sichtfeld deines Babys in dem du dich hinter dem Sofa versteckst und trete wieder hervor. Durch dieses Spiel, hat das Baby die Möglichkeit, sich langsam vorzustellen, dass du noch weiter existierst, obwohl du außer Sichtweite bist. (Du solltest dich wirklich schnell wieder zeigen, da Babys erst ab dem 8. Lebensmonat die Objektpermanenz entwickeln.)

Mehr zur Objektpermanenz und zu anderen Entwicklungsstadien findest du im tollen Buch “Ohje Ich wachse”. Es gibt dir tolle Informationen über die Entwicklung deines Babys und informiert dich über Schübe und Zeiten in denen dein Baby sehr mit (Entwicklungs)Schüben zu kämpfen hat. Hier kannst du es bestellen Buch “Ohje, ich wachse”

Dein Kind bestimmt die Zeit

Die besten Chance um ein gesundes Selbst(wert)gefühl und Unabhängigkeit zu entwickeln, besteht darin, dass dem Kind die Möglichkeit gegeben wird, sich von der Mutter (Bindungsperson) zu trennen und nicht die Mutter von dem Kind.

Probleme mit der Eingewöhnung in der Krippe oder bei der Tagesmutter treten weniger auf, wenn dem Kind diese Zeit der selbst bestimmten Trennung gewährt wird. Da reichen die angestrebten zwei bis drei Wochen seitens Krippe oder Tagesmutter oftmals nicht aus. (Ich empfehle euch mindestens 12 Wochen einzuplanen. Und eine Trennung erst zu versuchen, wenn euer Kind wirklich bereit dazu ist.)

Verbindung

Ohne Verbindung ist keine Unabhängigkeit möglich.
Quelle: Pixabay

Unabhängige High Need Kinder

Während die High Need Charaktereigenschaften im Säuglings- und Babyalter, dass Baby mehr und mehr an uns gebunden hat, können wir helfen, diese Eigenschaften zu nutzen um unser Kleinkind Sicherheit zu geben und es zur Selbstständigkeit ermutigen.

Das gut mit der Mutter bzw. Bindungsperson verbundene Kleinkind, nimmt immer etwas von der Mutter/Bindungsperson mit. Sofern wir alle Eigenschaften unseres Kindes akzeptieren. Die schönen, liebevollen und einfachen aber auch die wilden, chaotischen und anstrengenden Eigenschaften. Es braucht die Rückmeldung der Mutter/Bindungsperson auf seinen Erkundungen und zu seiner Person. Die Rückmeldung und die Gewissheit das es gut ist, wie es ist. Es muss in uns Vertrauen und Akzeptanz sehen und spüren. Es muss fühlen, dass wir den Prozess des Wachsens unterstützen und es begleiten, egal wie viel Zeit es benötigt.

Vertrauen und Ermutigen

Einfach mal “MACHEN” lassen. Quelle: Nadine Sandeck

 

Wir müssen versuchen das Beste aus „zwei Welten“ zu geben.

Auf der einen Seite Eins miteinander sein und auf der anderen Seite getrennt sein- und das auch so vermitteln. Verbindung gibt Sicherheit.

Förderung- nur mit notwendiger Verbindung

Wir konzentrieren uns oftmals zu sehr auf die Förderung der Unabhängigkeit, dass wir die dafür nötige Verbindung außer Acht lassen und somit das Gegenteil erreichen, ist uns nicht bewusst. Wir verlieren die Notwendigkeit zur Verbindung, für ein Kleinkind aus den Augen.

Auch hier brauchen wir ein gesundes Gleichgewicht zwischen der Aufrechterhaltung der Verbindung und der Förderung von Selbstvertrauen.

Informiere dein Kind über deine Abwesenheit

Lasse dein Kind immer wissen, wo du hin gehst. Auch wenn du nur vom Wohnzimmer in die Küche gehst. Du gibst deinem Kind dadurch Sicherheit. Sei ehrlich und sage deinem Kind wenn du zur Arbeit gehst, oder ins Kino mit Freunden (Kino? Was ist das? 😀 )

Ich musste gestern um 07:00 Uhr los zu einer Fortbildung und habe es versäumt Lotta am Abend zuvor bescheid zu geben, dass ich nicht da bin, wenn sie aufwacht. Natürlich war der Papa da, aber dennoch gab es viele Tränen und im nachhinein, tut es mir sehr leid. Ich war bisher immer da, wenn sie aufgewacht ist. Lotta hatte allen Grund zu weinen, ich habe ihr die Sicherheit genommen, die bisher immer konstant war.

Lass deine Abwesenheit niemals zu einer bösen Überraschung werden in dem du dich raus schleichst, weil dein Kind gerade so schön spielt und abgelenkt ist.

Zeit, Zeit und nochmals Zeit

Ein Baby wird selbstverständlich auch ohne unser zutun, irgendwann ein unabhängiges Kleinkind. Es ist nicht primär unsere Aufgabe es mit allen Mitteln unabhängig zu machen, sondern eine sichere Umgebung zu schaffen, die es ihnen ermöglicht ein unabhängiges Kleinkind zu werden.

Stellt euch das so vor:  Wir sind das Ladegerät, wenn der Akku unserer Kinder leer ist. Wenn unsere Kinder emotional aufgeladen werden müssen, sind wir da und geben die nötige Energie.

Das Traurige ist, dass wir heutzutage kaum mehr die nötige Zeit haben. Wir müssen lernen, uns diese so dringend benötigte Zeit wieder zu nehmen. Ich glaube wirklich, dass es High Need Kinder gibt um uns wieder zu entschleunigen.

In dem einen Moment kleben sie wie Kaugummi an uns und in dem anderen Moment können sie nicht weit genug weg von uns entfernt sein. Versuche heraus zu finden, wie viel Trennung dein Kind tolerieren kann, wenn es etwas Neues entdeckt. Und wie viel Trennung kannst du tolerieren? Siehst du in allem eine Gefahr oder vertraust du? Das Kind gibt die Entfernung vor- du bist der sichere Hafen.

Eigenständig

Mama, ich geh auf Entdeckungstour!
Quelle: Pixabay

 

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